Katrin Bauerfeind in Aschaffenburg

Katrin Bauerfeind in Aschaffenburg.
Katrin Bauerfeind in Aschaffenburg. (Foto: mm)

Katrin Bauerfeind kann nicht nur YouTube und Fernsehen:  Die 33-Jährige hat gerade ihr zweites Buch auf den Markt gebracht, „Hinten sind Rezepte drin“ heißt es, und sie reist damit durchs ganze Land: Dritter Stopp ihrer aktuellen Lesetour war am 20. Februar der ausverkaufte Aschaffenburger Hofgarten.

Diesmal hat sich Bauerfeind den Feminismus vorgeknöpft – allerdings in der Light-Variante. „Feminismus ist wie Darmspiegelung“, sagt Bauerfeind, „wichtig, aber keiner hat Bock drauf“. Also verpackt sie das Thema leicht verdaulich: Sie hat Geschichten aufgeschrieben, „die Männern nie passieren würden“ und liest aus diesem Buch mit lockerer Fröhlichkeit, mit viel Humor und nie mit erhobenem Zeigefinger. Die Botschaft kommt trotzdem rüber:  Mädels, sagt Katrin Bauerfeind, es muss mehr geben als Aussehen, Klamotten und Höflichkeit in eurem Leben. Holt euch, was ihr wollt – und seid bloß nicht immer nett auf dem Weg dorthin.

Das ist nun keine ganz neue Message: Jede zweite Frau, so scheint’s bisweilen, die im Medienbetrieb erfolgreich ist und ein bisschen was auf dem Kasten hat, hat inzwischen ein Buch geschrieben, das sich unter #Aufschrei vermarkten lässt. Alle sind sie irgendwie besorgt, dass die Errungenschaften der Schwarzer-Feministinnen verloren gehen könnten, dass neokonservative Geschlechtsgenossinnen nur allzu bereitwillig wieder ihren Platz in der Küche suchen, um zwischen Thermomix und Kaffeevollautomat den perfekten Milchschaum zu zaubern.  Und viele dieser Autorinnen versichern, dass ihr Feminismus im Gegensatz zum Schwarzer-Dogma gar nicht so bierernst gemeint ist, dass er Spaß machen darf und auf jeden Fall cool ist, weil Highheels drin vorkommen.

Allerdings: Mit oder ohne Highheels, man kann diese Botschaft gar nicht oft genug senden. Denn: die Statistiken, die auch Bauerfeind nebenbei zitiert, sind nunmal immer noch Fakt. Zum Beispiel:  2013 wurden in Deutschland 162 Frauen in Partnerschaften getötet – und 25 Männer. Und: Frauen verdienen immer noch im Schnitt 7 Prozent weniger als Männer, im gleichen Job, bei gleicher Qualifikation; erst seit 1997 ist in Deutschland Vergewaltigung in der Ehe strafbar.

Live bringt Bauerfeind freilich erquicklichere Beiträge. Sie ruft ihre eigene Religion aus („Gott ist eine Frau. Brigitte Gott.“); fragt sich, warum es für Schlampen, Zicken und Bitches eigentlich kein männliches Pendant gibt und plädiert dafür, dass auch mal Frauen Ahnung vortäuschen, wenn sie gar keine haben –  ganz wie die Männer halt. Ab und an scheint ein wenig Melancholie durch, nach der guten alten Zeit –  nach den Jahren ihrer Kindheit und Jugend. Doch Bauerfeind, Jahrgang ’82,  ist erwachsen geworden, so scheint es –  mit dem, was sie sagt und schreibt, kann sich nicht mehr nur ihre eigene  Generation identifizieren.

Live völlig in ihrem Metier

Ob Bauerfeind zum Thema Feminismus unbedingt ein ganzes Buch hätte draufsetzen müssen? Fraglich. Aber ihre Lesung war den Besuch allemal wert, denn die 33-Jährige ist live völlig in ihrem Metier: Sie meistert die Übergänge, wirkt sympathisch und hat somit das Publikum und die Lacher von Anfang an auf ihrer Seite; sie schafft mit Leichtigkeit den Spagat zwischen Botschaft und Unterhaltung, zwischen Lesung und Kabarett. Es war ein sehr schöner Abend mit Katrin Bauerfeind im Aschaffenburger Hofgarten. Und, um ihren abschließenden Gruß von der Bühne aufzugreifen: auch das Aschaffenburg Publikum hofft darauf, dass sie irgendwann wiederkommt.

Katrin Bauerfeind live (unter anderem):  7. 5. 2017 Mousonturm Frankfurt,  7. 12. 2017 Schlachthof Wiesbaden

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