Lichtkunstnächte 2016 in Aschaffenburg

Während Frankfurt und Rhein-Main-Gebiet die Luminale feiern, hält Aschaffenburg in diesem Jahr mit den Lichtkunstnächten dagegen. Warum das bayerische Nizza nicht mit der Matropol-Region in einem Boot sitzt, hat Bettina Kneller im Main-Echo erklärt. In Aschaffenburg  kann man  jetzt schon sagen: Das Experiment, die Lichtkunstnächte heuer auszuweiten, war ein Erfolg.

Zum zweiten Mal hat die Illumination am Wochenende vom  11. bis 13. März  stattgefunden; diesmal  hat Lichtkünstler Ingo Bracke  nicht nur das Schloss ausgeleuchtet und mit Klangcollagen beschallt. Wichtiger Veranstaltungsort war auch die Muttergottespfarrkirche in der Altstadt; Pompejanum, Frühstückstempel und Kornhäuschen wurden farbig angestrahlt.

Die gute Nachricht: Zumindest am Samstagabend wollten überraschend viele Menschen das Spektakel erleben –  drei Euro Eintritt verlangte die Stadt, die für die Lichtkunstnächte rund 30.000 Euro zahlt.  Das Publikum hat sich damit keiner einfachen Kunst geöffnet:  Brackes Kunst ist modern, nicht per se schön. Aber sie eröffnet neue Perspektiven, lässt das Gewohnte überraschend erscheinen.  Brackes Lichtkunst  funktioniert im Zusammenspiel mit Musik (vom Band und live), Klang und Geräusch. Auch das fordert die (Seh-  und Hör-)Gewohnheiten der  Besucher  bisweilen heraus.

Warum kommen die Menschen? Warum ist ein Orgelkonzert über den letzten Platz hinaus besetzt – so geschehen am Samstagabend, als Stifskantor Andreas Unterguggenberger spielte – sobald der Kirchenraum in einem anderen Licht erscheint?  Würden Licht und Farbenspiel ohne die Musik wirken?  Nicht in diesem Maß. Es ist ein Erleben, das gleich mehrere Sinne anspricht; das dem Zuschauer erlaubt, sich fort tragen zu lassen: Das macht den Reiz der Lichtkunstnächte aus.

Sie sollen eine Reise in die Vergangenheit der Stadt sein; diese Assoziation dürfte aber nicht bei allen Besuchern angekommen sein, da sie teilweise stark künstlerisch überhöht war. Die Folien etwa, die Bracke über seine Lichtquellen legt; die Motive, die er an die Kirchenwände wirft, sind oft kaum zu erkennen. Doch sie wirken –  und es spricht ja nichts dagegen, sein Publikum zu fordern.

Pendel, Spieluhr, Licht und Schatten

Auch sehr spannend am Samstagabend: Die Performance des Sailaufer Künstlers und Komponisten Joachim F.W. Schneider, der mit Pendeln, Lochkarten, einer Spieluhr, Licht und Schatten arbeitet. Dass solche Kunst in einer Stadt wie Aschaffenburg zu Gehör kommt und ein Publikum findet – das allein ist schon ein großes Verdienst  der  Lichtkunstnächte.

Vor allem aber hat wohl der Eventcharakter die Menschen gelockt:  Die Aschaffenburger lassen sich sehen, treffen sich uff de Gass, schimpfen auch ein bisschen, dass so ein Open-Air-Event in kalten Märznächten stattfindet. Warum nicht im Sommer? Weil da die Museumsnacht geplant ist und damit die Kulturtage –  auf die die Lichtkunstnächte im übrigen bereits thematisch verweisen. „Stadtwandel(n)“ soll in diesem Jahr das Motto sein. Da passt ein nächtlicher Spaziergang, der Assoziationen mit längst vergangenen Jahrhunderte wecken soll, doch sehr gut.

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4 Gedanken zu “Lichtkunstnächte 2016 in Aschaffenburg

    1. Das gab’s schonmal vor zwei Jahren, aber kleiner. Ich weiß nicht, wie die Stadt damit weiter umgehen will… für Aschaffenburg wars ne große Nummer, aber wenn man es mit der Frankfurter Luminale vergleicht, war es natürlich viel kleiner. Aber hey, danke für die Anregung, ich werde mal einen Vorschau-Post schreiben 🙂

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      1. Ich finde es gar nicht schlecht wenn es nicht ganz so groß ist. Die 200 Installation in Frankfurt sind zu viel, selbst wenn man an jedem Abend unterwegs ist, kann man nicht alles sehen. 3-4 Locations mit ein paar tollen Ideen, irgendwo ein Cafe, das reicht völlig aus.
        Die Idee mit dem Vorschau-Post finde ich gut, dann bekomme ich es vielleicht das nächste mal im Vorfeld mit.
        LG. Jörg

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