Garth Risk Hallberg liest „City on Fire“

Am Ende einer jeden Buchmesse stehen die guten Vorsätze: Der Kopf ist voller Ideen und Eindrücke, auf dem Smartphone häufen sich die Fotos von Büchern, die das Lesen verdient hätten. Eines davon ist in diesem Bücherfrühling der New-York-Roman des Amerikaners Garth Risk Hallberg: „City on Fire“ ist ein rund 1000 Seiten starker Episodentext über den „Big Apple“ in den 70er-Jahren, veröffentlicht im S. Fischer Verlag. So ganz scheinen sich die Kritiker das Urteil über dieses Buch nicht zuzutrauen –  aber eine Meinung haben offenbar alle zum neuen „Wunderkind der US-Literatur“, das zwei Millionen Dollar Vorschuss für diesen Roman bekommen haben soll.

Freilich blieb auf der Leipziger Buchmesse keine Zeit, auch nur eine Zeile dieses Romans zu lesen. Aber der Autor kam selbst, um dem Publikum die Angst vor dem Monumentalwerk zu nehmen: Hallbergs Lesung am Samstagabend im Kulturzentrum Nato in der Leipziger Südvorstadt war über den letzten Platz hinaus besetzt – und der Besuch sollte sich lohnen.

„Der Stoff rollte auf mich zu“

Er habe, sagt der 37-Jährige, gar nicht anders gekonnt, als seinen Wälzer zu schreiben: „Der Stoff rollte auf mich zu“. Als er New York zum ersten Mal erlebt habe, sei ihm die Stadt erschienen wie eine Tür zu

Hallberg: City on Fire (S.Fischer Verlage)
Hallberg: City on Fire (S.Fischer Verlage)

ungezählten fremden Leben. Einige solcher New-York-Leben hat er jetzt aufgeschrieben – denn wie könnte man die vielen Facetten dieser Stadt besser aufzeigen als in Episoden. Und Hallberg hat sich eine schillernde, eine spannende  Epoche herausgesucht, die er damit umreißt.

Es geht um Punk in diesem Buch und um eine Stadt im Chaos: Im Juli 1977 brach in New York das Stromnetz zusammen, dieser Tag ist Dreh-  und Angelpunkt der Episoden und Lebensgeschichten, die Hallberg schildert. In Leipzig erzählt er, was dieses 1977 mit den Anschlägen des 11. September 2001 zu tun hat: Nach 9/11 habe er viel darüber nachgedacht, was genau verloren wäre, wenn New York verloren wäre. All das habe er aufschreiben wollen. Irgendwann, im Bus in die Stadt, hörte Hallberg den Billy-Joel-Song „Miami 2017“, der 1975 geschrieben wurde und der eben jene Zeit schildert, als das bettelarme und heruntergerockte New York schon einmal vor dem Exodus stand. Und überlebte.

Viel zu heiß, viel zu voll

Bereits in der Lesung wird deutlich: Hallberg versteht sich darauf, Szenen und Stimmungen mit wenigen Sätzen bildlich werden zu lassen. Eine Episode, die an diesem Abend vorgelesen wird, führt einen viel zu heißen, viel zu vollen New Yorker Punk-Schuppen vor Augen; das Publikum weiß genau, wie sich der pubertierende Erzähler fühlt, der noch nie auf einem Konzert war – aber cool tut wie Hölle. Kein Wunder, dass die Filmrechte für „City on Fire schon verkauft sind. Aber erstmal – wird gelesen.

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