Auf den Spuren der Beatles in Liverpool

Beatles Denkmal in Liverpool
Beatles Denkmal in Liverpool

Sommerzeit ist Reisezeit –  und warum nicht mal eine popkulturelle Thementour unternehmen? Zum Beispiel ins britische Liverpool, wo die Beatles groß geworden sind, erste musikalische Gehversuche unternommen und schließlich Erfolge gefeiert haben. Selbst wer (noch) kein Beatles-Fan ist, kann sich hier vom Pilzkopf-Fieber anstecken lassen.

Liverpool ist längst nicht mehr die abgerissene Industriestadt, als die sie vielleicht noch durch manche Köpfe geistert.  2008 als europäische Kulturhauptstadt geadelt, überrascht Liverpool zunächst optisch. Neben stattlicher viktorianischer Architektur lädt das neugestaltete Albert Dock zum (r)ausgehen und vor allem zum Kulturgenuss ein: hier am Ufer des Mersey finden sich unter anderem ein Tate Museum für moderne Kunst und ein Museum für Sklaverei. Und natürlich auch ein Museum, das der wahrscheinlich berühmtesten Band der Welt gewidmet ist:  The Beatles Story.  Wer wegen der Beatles nach Liverpool kommt, sollte den Besuch dort unbedingt am Anfang der Reise einplanen.

Aber auch zum Shopping eignet sich Liverpool erstaunlich gut: An die großzügige Fußgängerzone schließt sich das einladende Outdoor-Shopping-Center Liverpool One an, in dem jede Menge Modeketten und Systemgastronomie zu finden sind.

Zu Besuch in John Lennons Schlafzimmer

Doch zurück zu den Beatles. Die Beatles Story verschafft einen gründlichen ersten Eindruck und bietet nebenbei jede Menge Selfie-Gelegenheiten, weil viele Schauplätze der Beatles-Geschichte nachgestaltet sind: Die Abbey Road Studios oder der Cavern Club zum Beispiel. Wer tiefer gehen will, sollte unbedingt eine Tour mit dem National Trust zu den ehemaligen Wohnhäusern von John Lennon und Paul McCartney buchen. Beide Häuser sind nicht frei zugänglich, die geführten Touren in Kleingruppen werden aber mehrmals täglich angeboten –  und müssen im Voraus gebucht werden.

Mendips heißt das Haus, in dem John Lennon in der Obhut seiner Tante Mimi aufwuchs; Yoko Ono kaufte das Anwesen in der  Menlove Avenue 2002 und schenkte es dem National Trust. Nicht weit davon, in 20 Forthlin Road, lebte Paul McCartney mit seinem Bruder Michael und Vater Jim, nachdem Mutter Mary bereits 1956 gestorben war. In beiden Häusern hat der National Trust den Originalzustand nach bestem Wissen und Gewissen wieder hergestellt; in 20 Forthlin Road  vermitteln zahlreiche Fotos, die Pauls Bruder Michael geschossen hat, einen lebendigen Eindruck  vom Alltag der McCartneys. Wer heute in die beiden Häuser kommt, darf allerdings keine eigenen Fotos machen.

Hier im Wohnzimmer saßen die Jungs oft, wenn sie eigentlich in der Schule sein sollten, und schrieben neue Songs.

So kitschig es klingt: In Mendips und 20 Forthlin Road bekommen Besucher wirklich ein Gefühl für das Leben der frühen Beatles –  auch dank der enormen Fachkenntnis der Guides des National Trust. Der Gast geht in Tante Mimis Haus durch den Hintereingang und steht mitten in der winzigen Küche –  wie einst Paul McCartney bei seinem ersten Besuch hier. Eng war es in diesem Haus, winzig war auch Johns Schlafzimmer mit Blick auf die Straße; hier hat er viel gelesen, wohl auch geschrieben, gezeichnet, Mundharmonika und Gitarre gespielt, Radio gehört – sein Onkel George hatte ihm kurz vor seinem plötzlichen Tod noch einen Lautsprecher installiert und mit dem heimischen „wireless“ verbunden.

In der Forthlin Road bei den McCartneys aber stand ein Klavier: Hier im Wohnzimmer saßen die Jungs oft, wenn sie eigentlich in der Schule sein sollten, und schrieben neue Songs. Vater Jim war selbst Musiker und erlaubte der Band seines Sohnes, im Esszimmer zu proben. Ein echter Männerhaushalt war das: Doch wenn sich Paul nach seinen Ausflügen ins Liverpooler Nachtleben zurück nach Hause schleichen wollte, musste er trotzdem heimlich durch den Hinterhof, am Wasserrohr nach oben klettern – und sich durchs Badezimmerfenster zwängen.

Der Vollständigkeit halber buchen echte Fans nach dem Abstecher in die beiden Häuser auch die Magical Mystery Tour – und besuchen weitere Orte, die in Liverpool in Verbindung mit den Beatles stehen. Die Penny Lane zum Beispiel oder das Tor zu Strawberry Fields, einem ehemaligen Kinderheim. Am Schluss der Bustour steht ein Besuch im legendären Cavern Club, in dem die Beatles 292 mal aufgetreten sind. Aber Achtung: Dieser Club ist ein Nachbau, das Original stand nur fast am gleichen Ort und wurde in den 70er-Jahren abgerissen. Heute spielen im (sehr stickigen) Cavern Club gefühlt rund um die Uhr und auf zwei Bühnen Bands, überwiegend Cover-Bands, die für die Touristen immer auch ein Beatles-Lied auf den Lippen haben. Kann man mögen, muss man aber nicht. Und wer es mag, dem gefällt bestimmt auch die jährliche Beatleweek im August:  Dann treten Beatles-Revival-Bands aus aller Welt im Cavern auf.

Ausgeh-Alternativen bietet Liverpool allerdings reichlich – immerhin ist es ja auch eine Studentenstadt. Gediegen geht es im Pub The Philharmonic in der Hope Street zu, das noch original so aussieht wie um 1900: Wer hier vorbeischaut, kann glatt vergessen, sein Bier zu trinken – so prachtvoll ist dieses „Ornate Pub“ ausgestattet.

Ausflüge ins Mittelalter oder ans Meer

Wer genug von den Beatles hat, sollte übrigens unbedingt in die S-Bahn steigen und die Umgebung von Liverpool erkunden. Im Einzugsgebiet der lokalen Verkehrsbetriebe liegt unter anderem die mittelalterliche Stadt Chester, die sich als pittoreskes Einkaufsparadies präsentiert und sogar mit römischen Wurzeln prahlt. Eher mittelalterlich, aber trotzdem nicht zu verpassen: Der „town crier“, der die Besucher nach alter Art begrüßt und dabei durchaus unterhaltsam ist (dienstags bis samstags täglich um 12 Uhr in der Fußgängerzone; nur von Mai bis August).

Für Ausflüge ans Meer bieten sich von Liverpool aus Ausflüge auf die gegenüberliegende Halbinsel Wirral an; oder nordwärts die Küste entlang nach Crosby Beach, Formby Beach oder ins Seebad  Southport – ebenfalls alles bequem mit Merseytravel zu erreichen. Während Formby Beach vom National Trust als „glorious beach with dramatic sand dunes“ beschrieben wird, ist Crosby Beach als „urban beach“ eher unter Kunstfreunden bekannt. An dem kilometerlangen Sandstrand hat nämlich der Künstler Antony Gormley 100 eiserne, lebensgroße Figuren montiert, die nun schon seit über zehn Jahren für faszinierende und surreale Ausblicke am Strand sorgen. Schwimmen ist am Crosby Beach nicht drin, trotzdem gibt’s dort Liveguards.  Das ist gut so, denn bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück und der Strand lockt viele Spaziergänger an. Allerdings ist der Sand tückisch und nicht ungefährlich: Man sinkt teilweise von einem Schritt auf den anderen knietief in den Matsch.

Crosby Beach
Crosby Beach (Foto: mm)

Fazit: Liverpool ist ein spannendes Reiseziel abseits der ausgetreten Pfade. Wer aber nur wegen der Beatles nach Liverpool reist, wird vielleicht überrascht sein, dass die Stadt verhältnismäßig wenig mit ihren vier berühmten Söhnen prahlt. Dass der originale Cavern Club zwischenzeitlich abgerissen wurde, spricht da wohl Bände. Wie viele der äußerst umgänglichen „Liverpudlians“ berichten, hat die touristische Erschließung der Beatles erst vor einigen Jahren an Fahrt aufgenommen (Zitat: „If this was America, we’d have a Beatles themepark by now.“) Vielleicht liegt das daran, dass die Beatles eben doch nur einen kleinen Teil der einst so stolzen und wichtigen Hafenstadt, der Fußballstadt, der Industriestadt Liverpool ausmachen. Und wer mehr Zeit hat, kann hier eben auch noch viel mehr entdecken: Die Strände und Parks, das Univiertel, die Kathedrale, das Umland,  die Natur.

Enjoy!

  • Eine optimale Vorbereitung auf den Besuch ist übrigens der Film „Nowhere Boy“, der sich um John Lennon’s Jugend und die Anfänge der Beatles dreht.
  • Ein paar praktische Tipps: Die Anreise klappt gut per Flug nach Manchester, danach problemlos weiter mit dem Bus (etwa eine Stunde Fahrt). Ein zentral gelegenes Hotel ist das Liverpool Inn. Sieht von außen etwas schäbig aus und es gibt kein Frühstück. Innen aber top, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, kundige Gastgeber und schicke Beatles-Deko.
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