Im Kino: Tschick

Tschick
Tschick

Fatih Akin hat endlich wieder einen neuen Film gemacht – und noch dazu einen, dem man auf dem deutschen und internationalen Markt herzlich viel Erfolg wünschen mag. Denn „Tschick“, verfilmt nach dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Herrndorf, macht Spaß und ein bisschen nachdenklich, trifft den bittersüßen Sound einer Jugend, wie sie jeder gern (gehabt) hätte und feiert den Außenseiter: Weil Außenseiter einfach die besseren Helden sind.

Wie alle guten Außenseiter in Film und Literatur sind Tschick und Maik die wirklich coolen Säue, wie sie in Schlangenlinien über die Autobahn brettern. Klar aber auch, dass sie Schiffbruch erleiden. Doch bis dahin lernen sie viel übers sich und übers Leben, pflügen durch Maisfelder und schlafen unter Sternen, lassen sich von Erwachsenen nix reinreden, verlieben sich ein bisschen und hören richtig gute Musik.

Coming of Age-Geschichte trifft auf Roadmovie: Das erinnert an John Green, kommt auf dem  deutschsprachigen Buchmarkt aber eher selten vor. Noch seltener gelingt es einem Autoren, mit einer Geschichte über halbwüchsigen Helden auch erwachsene Leser zu erreichen. Mit „Tschick“ hat Herrndorf genau das im Jahr 2010 geschafft: Und auch der Film peilt unübersehbar die breite Zielgruppe vom Jugendlichen bis zum Bildungsbürger an. Gut möglich, dass Akin mal wieder einen Erfolg auf dem heimischen Markt braucht und deshalb auf Nummer sicher gehen wollte: Sein letzter Streifen, das epische Völkermord-Drama „The Cut“, kam bei der Kritik und an den Kinokassen allenfalls mäßig an.

„Tschick“ ist bei Akin jedenfalls in sehr guten Händen, denn der Hamburger ist schlicht einer der versiertesten Filmemacher Europas – und er beherrscht zugleich die lockere Handschrift, die dieser Stoff braucht. Erwartungsgemäß trifft Akin den Ton, den Herrndorf angestimmt hat: Er bleibt sehr nah an der literarischen Vorlage; doch wo das Buch Leerstellen lässt, füllt der Film naturgemäß auf.

Akins Bildsprache ist stimmungsvoll, ohne kitschig zu sein; ästhetisch und trotzdem nicht kompliziert. Auch die Musik sorgt für Atmosphäre: Deutscher Hip Hop und Britpop, das kommt teilweise schon von Herrndorf, trägt oft aber auch Akins Handschrift. Und sogar Richard Clayermans „Ballade pour Adeline“ ist unwahrscheinlicher und erstaunlicherweise gar nicht peinlicher Soundtrack für den Trip, den Tschick und Maik gemeinsam erleben –  sie finden das Klavierstück auf einer ausgeleierten Kassette, die im Lada liegt. Für Kinogänger, die vor 1980 geboren sind, mag dieser Song eine Reminiszenz längst vergangener Jahrzehnte sein. Für alle anderen eine Erinnerung daran, dass cool ist, was du selbst draus machst.

Nicht zum ersten Mal hat Fatih Akin ein gutes Händchen fürs Casting: Vor allem seine Hauptfigur Maik, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist mit Tristan Göbel bemerkenswert gut besetzt. Denn Göbels Maik hat das, was 14-jährige Jungs eher ungern zugeben: Gefühle. Und das ist vielleicht überhaupt das Tollste an „Tschick“:  Dass da zwei Jungs gar nicht hart sind, obwohl sie so tun. Und dass sie ihr Leben, das gar nicht so toll ist, zu einem Abenteuer machen. Zusammen.

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