London, my love: Acht Tipps für die Reise

London ist großartig – aber noch besser wird die Stadt, wenn man weiß, wo man hin muss, um sie wirklich kennenzulernen.  Ich selbst fahre so oft wie möglich nach London, weil ich immer wieder das Gefühl habe, längst noch nicht alles gesehen und gemacht zu haben, was ich dort gerne tun würde. Und weil ich immer wieder gefragt werde, ob ich nicht ein paar London-Tipps hätte, schreibe ich sie jetzt mal auf und stelle eine kleine London-Reihe online.

Den Anfang machen hier meine acht ganz persönlichen London-Highlights. In Teil 2 geht es um die Frage, in welchem Stadtteil von London man am besten übernachtet und Teil 3 ist eine kleine Street-Art-Galerie mit Bildern, die ich im Lauf der Jahre gemacht habe.

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Vorab:  Wer nur die typischen Touri-Plätze in London abklappert, wird nie verstehen, was so toll an London ist. Ich meine, bitte: Picadilly ist nicht viel mehr als ein Verkehrsknoten, am Trafalgar Square ist nicht wirklich was los und die Queen kommt auch nicht zum Händeschütteln ans Tor vom Buckingham Palace. That said – ja, ich hab’ das natürlich auch alles gemacht. Aber es gibt halt noch so viel mehr – und hier sind meine Top 8.

1. Spaziergang vom Tower Hill bis zur Westminster Bridge

Ein Spaziergang entlang der Themse bringt tolle Aussichten – und richtiges London-Feeling. (Foto: mm)
Ein Spaziergang entlang der Themse bringt tolle Aussichten – und richtiges London-Feeling. (Foto: mm)

Oft lässt sich mit einem kleinen Dreh auch das klassische London neu entdecken, zum Beispiel die Tower Bridge.  Ich würde nicht mit der U-Bahn zum Tower Hill fahren, um von dort einmal über die Brücke zu laufen und dann den Tower anzuschauen (den Tower fand ich ehrlich gesagt so naja). Statt dessen besser einen Spaziergang einplanen: Auf der Tower-Seite bis zu St. Pauls Cathedral laufen, die eins-a-Aussicht auf die Brücke genießen, dann über die Millenium Bridge (das ist die, die am Anfang des sechsten Harry Potter Films von den Death Eaters zerlegt wird), rüber zur Tate Modern (Pro Tipp: die kostet nicht nur keinen Eintritt, sie beherbergt auch, wie alle öffentlichen Museen in Großbritannien, kostenlose Toiletten). Dann am Südufer der Themse weiter, am Oxo Tower vorbei, bis zur South Bank.  Dort steht auch das South Bank Centre: Ein Kulturzentrum, das zahlreiche Veranstaltungen kostenlos anbietet. Unbedingt einfach mal reingehen in diesen ollen Fifties-Tempel –  vielleicht läuft ja gerade ein Tap-Dance-Slam oder was ähnlich lustiges.

Übrigens ist in diesem Komplex auch eine Filiale von Foyles untergebracht – ein sehr gut sortierter Buchladen, Hauptsitz ist in der Charing Cross Road. Am Themse-Ufer fühlt sich London großartig an: Straßenkünstler, Cafés, Musik, Kunst, Menschen, ein paar Marktstände, Skater, Blick auf Big Ben und das London Eye… wer sich hier nicht in die Stadt verliebt, der ist für London verloren.

2.  Ein Abstecher in die  Marylebone High Street

Für einen Bummel zu empfehlen ist auch die Marylebone High Street, die gar nicht weit ab von der völlig überlaufenen Shopping-Meile Oxford Street liegt. Das macht die Marylebone High Street zu einem klassischen Beispiel dafür, was einem in großen Städten so wahnsinnig leicht passiert: Man verfehlt die wirklich netten Ecken nur um ein paar Meter. Auf der Marylebone fühlt man sich eher wie in einer schicken Kleinstadt: Es gibt am Wochenende einen Obst-  und Gemüsemarkt, die Menschen sitzen in den Straßencafés und einer der schönsten unabhängigen Buchläden der Stadt, Daunt Books, (spezialisiert auf Reiseliteratur, aber eigentlich haben die alles) versteckt sich hier auch.

3. Übers Leben lernen in der School of Life

Wer mal was ganz anderes ausprobieren will, der bucht einen Kurs oder einen Vortrag an der großartigen School of Life in der Marchmont Street. Gegründet vom Philosophen Alain de Botton, ist das eine Art Volkshochschule für emotionale Intelligenz und  große Themen: Wie führt man richtig gute Gespräche? Wie kriege ich meine Work-Life-Balance auf die Reihe? Welcher Partner passt zu mir? Das Programm der School of Life ist eine kleine Wundertüte, die Dozenten sind in der Regel coole Leute, die einem Inspiration und neue Ansatzpunkte für das eigene Leben mitgeben können. Und zwischendurch gibt’s auch mal special events, so was wie „Life Lessons from David Mitchell“. Ich meine, hallo, wie cool ist das denn bitte? David Mitchell?


Mir hat an dem Kurs, den ich belegt habe, auch gefallen, dass man echte Londoner trifft und nicht nur andere Touristen. Ich bin unglaublich schnell mit völlig Fremden ins Gespräch gekommen über Themen, über die ich zum Teil noch nicht mal mit meinen engsten Freunden gesprochen habe. Die School of Life gibt es mittlerweile übrigens auch in Berlin.

4. Das Leben und die Kunst genießen im Somerset House

Somerset House ist ein stattlicher klassizistischer Bau am südlichen Themse-Ufer, beherbergt eine ganze Reihe von Kulturangeboten, punktet aber auch durch seinen schönen Innenhof, in dem man einfach mal ausspannen kann. Im Sommer gibt’s dort zum Beispiel Konzerte und Open-Air Kino. Wer Kunst liebt, besucht die Courtauld Gallery, die eine hohe Dichte an weltbekannten Gemälden auf kleinem Raum vorweisen kann (Schwerpunkt ist der Impressionismus, unter anderem hängen dort Werke von Manet, Degas, Monet, van Gogh, Gauguin, and Cézanne).

5. Kult-Kino zum Mitsingen im Prince Charles Cinema

A pro pos Kino: Gleich um die Ecke der großen Premierenpaläste am Leicester Square liegt das kleine, aber kultige Prince Charles Cinema. Was es inzwischen auch in Deutschland gibt, wird in diesem Programmkino schon seit Jahren zelebriert: Singalong! Grease, Dirty Dancing, Frozen, Moulin Rouge und Konsorten: Hier darf man aus voller Brust mitschmettern. Außerdem sind viele Klassiker und Arthouse im Programm.

6. Theater und Musical: Harry Potter, Matilda and so much more

Wer lieber ins Theater geht, wird in London natürlich auch mehr als fündig – ich würde mal sagen, im West End läuft das beste Programm Europas. Mindestens. Musicals sind eine große Nummer, aber es lohnt sich sehr, auch nach klassischen Theaterstücken Ausschau zu halten, die ebenfalls in den prunkvollen viktorianischen Theatern in Soho gezeigt werden. In London stehen eigentlich immer auch Stars auf der Bühne – schaut am besten rechtzeitig nach, ob gerade jemand spielt, den ihr live sehen wollt; vor Ort ist es oft schwierig, noch Karten zu bekommen. Allerdings gibt es in London inzwischen auch die New Yorker TKTS Booth (am Leicester Square), wo man günstige Restkarten kaufen kann. Da muss man dann aber flexibel sein, weil die gefragten Shows dort eben oft nicht mehr zu bekommen sind.

Ein West-End-Dauerbrenner, den ich empfehlen kann, ist das Musical „Matilda“ nach dem Kinderbuch von Roald Dahl. Mit der Musik von Tim Minchin ist es auch für Erwachsene ein beeindruckendes Theatererlebnis, das auch den Sprung an den Broadway geschafft hat. Genau wie „Billy Elliot“ übrigens, das (zur Zeit auf Tour ist und) sich in der Musicalversion vom Film unterscheidet: Neue Musik, vertiefter Plot. Und natürlich: Harry Potter and the Cursed Child. Auch wer die Skript-Fassung des Harry-Potter-Spin-Offs nicht mochte, wird im Theater aus dem Staunen nicht rauskommen. Etwas Mitreißenderes habe ich auf einer Bühne schlicht noch nie gesehen –  ausgefeilter kann Theater nicht werden, ohne Film zu sein. Wer keine Karten hat, kann es online oder direkt am Palace Theater am Tag der Vorstellung versuchen –  ich habe in der Vorstellung Leute getroffen, die Glück hatten! 😉

7. Vom Spitalfields Market nach Shoreditch

In London gibt es einen ganzen Haufen Märkte, aber am besten gefällt mir nach wie vor der Old Spitalfields Market im Osten nahe der Liverpool Street Station. Spitalfields Market ist eine altehrwürdige, aber recht frisch sanierte Markthalle, in der Läden, Cafés und Restaurants eingerichtet sind. Es gibt dort aber vor allem auch feste Marktstände, die von Händlern gemietet werden. Überwiegend verkaufen sie dort Kunsthandwerk, aber auch viele Klamotten, Antiquitäten und ein paar Bücher. Der Markt ist insgesamt weniger überlaufen und weniger trashig als Camden Market, noch nicht so geleckt wie Covent Garden und jeden Tag der Woche einen Besuch wert (anders als zum Beispiel Notting Hill). Vor allem am Wochenende kann es aber auch hier sehr voll werden!

Allerdings lohnt sich aber auch gerade sonntags ein Besuch in Spitalfields mit anschließendem Spaziergang in Richtung Brick Lane. Denn dann öffnet in der Hanbury Street der Sunday Up Market, in dem vor allem ein riesiges Angebot an Street Food aus aller Welt wartet. Unterwegs kommt man an Second Hand Läden und zum Beispiel  Poppies Fish and Chips vorbei  (super Fisch und 40er-Jahre-Style) und sollte auch einen Abstecher in den Plattenladen Rough Trade East einplanen. Auf der Brick Lane angekommen, geht der Markt auch dort weiter; es lohnt sich, in die Hinterhöfe und Seitenstraßen zu schauen. Übrigens auch, weil es an jeder Wand Street Art zu entdecken gibt. Wer auf der Brick Lane nach links abbiegt, kommt an der Old Truman Brewery vorbei und landet bald wieder in Shoreditch und Hoxton. In dieser Ecke lässt sich London am besten entdecken, wenn man sich einfach treiben lässt. Wer vorab einen Eindruck will, kann sich den auch mit Musikvideos verschaffen: Sowohl REM (Überlin, in Shoreditch)  als auch Robbie Williams (Candy, in Spitalfields) haben – gut, schon ein paar Jahre her, aber immerhin –  hier Musikvideos gedreht.

8. Zauberhafte Harry Potter Studios

Der Hogwarts Express steht natürlich auch abfahrbereit in den Harry Potter Studios.
Der Hogwarts Express steht natürlich auch abfahrbereit in den Harry Potter Studios.

Wer auch nur einen Funken Interesse an Harry Potter hat, der sollte sich in Watford bei London die Harry Potter Studios ansehen – mit Zug und Shuttlebus sind sie leicht zu erreichen. Böse Zungen vertreten ja die Meinung, die Studios seien nur ein Weg, aus dem Harry-Potter-Imperium noch mehr Geld zu pressen. Ich sage: Dieser detailgetreue Blick hinter die Kulissen einer Mammutproduktion ist sein Geld absolut wert. Es handelt sich um einen Teil der Filmstudios, in denen die Harry-Potter-Saga tatsächlich gefilmt wurde; die originalen Kulissen (Diagon Alley, Privet Drive, Gryffindor Common Room, The Great Hall, Hagrids Hut, ein Modell von Hogwarts Castle, der Hogwarts Express und viel, viel mehr) sind dort wieder aufgebaut worden und werden jetzt täglich von tausenden Fans aus aller Welt erobert.

So weit ich weiß, gibt es in Europa keinen anderen Ort, an dem man einen so umfassenden Einblick in die Entstehung einer Filmproduktion bekommt: Special Effects und Artwork, Tiertraining, Requisiten, Kostüme und Make Up, alles wurde sorgfältig dokumentiert und wird nun spannend vermittelt. Als Besucher versteht man, wie viel Herzblut in diese Filme geflossen ist –  und dass die wahre Magie in dieser Produktion von Menschenhand geschaffen wurde.

 

Und jetzt, wo das alles aufgeschrieben ist –  bitte entschuldigt mich, ich muss dringend… zurück nach London!   

 

Was sind eure London-Tipps und Erfahrungen?  Habt ihr Fragen zu diesem Text? Lasst einen Kommentar da! 🙂

 

Noch mehr London auf anderen Blogs:

 

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2 Gedanken zu “London, my love: Acht Tipps für die Reise

  1. Oh wie lieb von dir, Danke für’s verlinken! 🙂

    Da fühl ich mich direkt zurückversetzt in meinen Aufenthalt in London, wenn ich deinen Post lese! Ganz tolle Tipps hast du zusammengestellt! Wenn ich nochmal da sein sollte, dann komme ich auf deinen Beitrag zurück! 🙂

    Ich wünsche dir noch einen wundervollen Abend ❤

    – Sandra

    Gefällt 1 Person

    1. Anytime 🙂 Essen hab ich in meinem Beitrag ja ganz weggelassen, da war das die perfekte Ergänzung – vielen Dank dafür! Deine Tipps werd ich beim nächsten Besuch natürlich auch mitnehmen 🙂
      Ich finde übrigens in London Leons ganz toll (gesundes Fastfood – die haben auch Kochbücher) (http://leonrestaurants.co.uk), außerdem kann ich Masala Zone in Bayswater empfehlen (http://www.masalazone.com) und fand Ottolenghi (http://www.ottolenghi.co.uk) spannend. Oh, und Jamies Italian (https://www.jamieoliver.com/italian/) geht natürlich auch immer. Sind halt alles Ketten und oft auch nicht ganz billig … wie fast alles in GB 😉
      Ach und über Cafés… müsste man mal ein ganz eigenes Kapitel schreiben 😉
      Dann drück ich uns mal die Daumen, dass wir bald wieder dort sind!! GLG, Moni 🙂

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