Michael Patrick Kelly: Neues Album, neue Wege

What a difference a year makes…

Für Michael Patrick Kelly hat sich in den letzten zwölf Monaten eine Menge getan: Zwei Alben hat er veröffentlicht, seine „Human“-Tour gefühlt nahtlos in die „iD“-Tour überführt, zwischendurch eine „Ruah“-Kirchentour gestemmt, in unzähligen Interviews seine Geschichte erzählt. Im Frühsommer hat der ehemalige Teenie-Star und Kopf der Kelly-Family einem breiten Fernsehpublikum mit der Vox-Sendung „Sing meinen Song“ gezeigt, dass er wieder da ist, mal so eben im Vorbeigehen Quotenrekorde gebrochen –  und er hat im Juni sein neues Album „iD“ veröffentlicht, das er in den Sommermonaten auch live vorstellt. Am kommenden Freitag, 7. Juli, spielt Kelly auch in unserer Region – auf der Wertheimer Burg.

Das Album, das Kelly im Gepäck hat, steht seinem sehr runden Vorgänger „Human“ in nichts nach. Als Songwriter beweist Kelly mit „iD“ sogar mehr Vielseitigkeit – und wiederum ein sicheres Gespür für melodiösen Gitarrenpop, der funktioniert und doch nicht oberflächlich ist. In seinen Texten trägt der 39-Jährige auch diesmal das Herz auf der Zunge – dass die Tracks viel mit seiner eigenen Biographie zu tun haben, drückt schließlich schon der Name des Albums („iD“ steht für Pass oder auch Identität).

„I’m more than a passport, I’m unique“

Heraus sticht der Titelsong der Platte, das Reggae-Stück „iD“, das Kelly zusammen mit Gentleman aufgenommen hat – offensichtlicher Beleg einer (musikalischen) Freundschaft, die während der Dreharbeiten zu „Sing meinen Song“ gewachsen ist. „iD“ ist nicht nur ein nach vorne treibender, lockerer Feel-Good-Song, er lässt sich auch politisch lesen: „I’m more than a passport, I’m unique“ singt Kelly. Es klingt wie ein Aufruf zu mehr Toleranz und Offenheit in unserer Gesellschaft, vielleicht ist es sogar ein Appell zum menschlicheren Umgang mit Flüchtlingen?

Mit „Free“, aber vor allem auch mit „Run Jump Fly“ hat Paddy Mitsing-Hymnen abgeliefert, die absolut radiotauglich und wie gemacht für Liveauftritte sind. Rockiger klingt „Lazarus“ –  dass eine wildere musikalische Seite in ihm lebt, muss Kelly ja längst nicht mehr verstecken. Ganz ruhig und schlicht schön kommt „Requiem“ daher, das freilich an Kellys christliche Seite denken lässt – vor allem aber eine Hommage an verstorbene Musikgrößen ist. „I’ve been thinking about the dark soul of Rock’n’Roll“, singt Kelly da. Auch er hat diese dunkle Seite des Ruhms kennengelernt, doch er singt als einer, der zurück ins Leben gefunden hat. Der den goldenen Käfig getauscht hat mit seinem eigenen „Golden Age“, über das er jetzt singen kann. Dieses „Golden Age“, die erste Auskopplung des Albums, ist nicht der stärkste Song der Platte, aber durchaus solide und auf jeden Fall: sehr eingängig.

„I’ve been thinking about the dark soul of Rock’n’Roll“

Fazit: Hoffentlich kommt Michael Patrick Kelly niemals auf die Idee, Songs auf Deutsch zu singen und sich damit dem aktuell vorherrschenden Marktgeschmack zu beugen. Denn das hat er nicht nötig: „iD“ ist ein sehr gelungenes Album, das Michael Patrick Kelly ein Stück weiter aus seinem eigenen, übergroßen Schatten der Vergangenheit rückt. „Paddy“, der in Sachen Songwriting und Showbusiness bald vier Jahrzehnte Erfahrung im Gepäck hat, ist seinem Kelly-Family-Image längst entwachsen. Jetzt hat der Rest der Welt Gelegenheit, das auch zu merken.

„Remember where you come from, remember who you are“ (MPK, „Free“)

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