Zeit für Leipzig, Zeit für Geschichte(n)!

Ende dieser Woche ist es endlich wieder so weit, die Leipziger Buchmesse –  die schönste und überhaupt beste aller Buchmessen –  öffnet ihre Tore und Bücher-Fans aus dem ganzen Land stürmen die schöne Stadt Leipzig.

Was ich all diesen Leipzig-Besuchern raten würde? Nehmt euch nicht nur Zeit für die Bücher und die Lesungen, die Blogger-Treffen und die großartigen Partys, die ausgedehnten Kaffee-Runden und die überfüllten Messehallen! Nehmt euch nicht nur Zeit für die Geschichten –  nehmt euch auch ein wenig Zeit für die Geschichte von Leipzig.

An vielen Orten in der Stadt lässt sich nachvollziehen, wie das Leben in der DDR ausgesehen hat, welche Probleme es gab und wie das sozialistische System letztlich scheiterte. Zwei dieser Orte sind das Zeitgeschichtliche Forum mitten in der Stadt und das Stasimuseum „in der runden Ecke“ – beide bieten zur Buchmesse besonderes Programm, aber auch Ausstellungen an.

Das Zeitgeschichtliche Forum: So gar nicht verstaubt

Das Zeitgeschichte Forum in der Grimmaische Straße 6 kostet keinen Eintritt und zeigt derzeit zwei Sonderausstellungen,  zur Planwirtschaft in der DDR und  über DDR-Comics. Leider wird die Dauerausstellung derzeit umgebaut und ist deshalb bis Ende des Jahres nicht zu sehen – was sehr  schade ist, denn hier bekommen Besucher wirklich einen lebensnahen Eindruck vom Trauma der deutsch-deutschen Teilung, von den unterschiedlichen Lebenswelten in Ost und West und von der massiven Aufgabe, die eine Wiedervereinigung bedeutet hat und immer noch bedeutet.

Dass diese Dauerausstellung nun umgebaut wird, ist dennoch ein gutes Zeichen: Denn das Zeitgeschichtliche Forum ist kein Museum, das vor sich hin verstaubt. Sondern ein Ort, wo Geschichte lebendig bleibt.

„Europaduell“ mit Margarete Stokowski und anderen

Dazu passt, dass hier an den Buchmesse-Tagen über Europa gesprochen wird:  Am Freitag, 16. März, ist zum Beispiel Margarete Stokowski Gast beim „Europaduell“. Die Ankündigung klingt spannend: „Bei den Streitgesprächen präsentieren jeweils zwei Autoren aus demselben Land zwei verschiedene Zukunftsvisionen für Europa. Das Publikum stimmt darüber ab, wer die besseren Argumente vorträgt.

Einst Stasi-Bunker, heute Museum in der runden Ecke

Das Museum in der runden Ecke hat mich sehr bewegt, als ich es vor ein paar Monaten zum ersten Mal besucht habe. In dem Gebäude im Dittrichring 24 hatte zu DDR-Zeiten die Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit  – also die Stasi –  ihren Sitz. Entsprechend trägt auch die Dauerausstellung heute den Titel  „Stasi – Macht und Banalität“.

Das Besondere:  Getragen wird das Museum von einem Bürgerkommitee. Auch unsere Führung (täglich um 15 Uhr) wurde von einem Zeitzeugen geleitet, der eindrucksvoll geschildert hat, welcher Schrecken bis 1989 von „der runden Ecke“ ausging. Und wie dann im Oktober 1989 die Montagsdemos an diesem Gebäude vorbeizogen, wie angespannt die Stimmung gewesen sein muss, wie sie riefen „Wir sind das Volk“ und „keine Gewalt“, mit Kerzen in der Hand. Und wie am Ende alles gut ausging und ohne Blutvergießen: Gänsehaut-Garantie.

Das Museum in der runden Ecke bietet zur Messezeit übrigens nicht nur die regulären Führungen, sondern auch ein umfangreiches Programm mit politischen und historischen Beiträgen von Punk in der DDR bis zum Staatsdoping; alle Veranstaltungen bei freiem Eintritt.

Also, liebe Buchmesse-Besucher: Wer gerne liest, dem kann die Geschichte so fern doch gar nicht liegen. Denn wie sagt man so schön? Das Leben schreibt die besten Geschichten!

Weiterführende Links

  • Warum Leipzig als Messestadt eine besondere Rolle auf dem Weg zur Wende spielte, wird in diesem Video deutlich. Wenn hier Messe war, richteten sich die Kameras aus aller Welt auf die DDR – das bot auch Regimekritikern eine Bühne, während die Staatsführung versuchte, die Deutsche Demokratsiche Republik in bestem Licht darzustellen.
  • Mehr zur Geschichte der Leipziger Buchmesse steht auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung. 
  • Wer mehr über die Wendezeit in Leipzig erfahren will, dem sei der Film „Nikolaikirche“ wärmstens empfohlen. Kommt ein wenig altbacken daher, ist aber der Buchvorlage von Erich Loest noch um Längen voraus – die kann man leider kaum lesen, der Stil ist sehr hölzern. Aber das Thema ist top: Eine Familie zwischen Stasi und Friedensbewegung kurz vorm Ende der DDR.
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